Rudern auf der Liquid Democracy
Nach dem Modell der Adhokratie (wörtlich „Demokratie ohne Infrastruktur), stützt sich der interne Betrieb der Piratenpartei Deutschland (PPD) auf die Anregungen und Vorschläge ihrer Mitglieder. Letztere äußern ihre Ideen mit Enthusiasmus im Wiki der Piratenpartei. Um zu karikieren, formiert sich das Räderwerk der Partei (the Wheels[1] ) aus einer Legierung der ökonomischen Konzepte der Partei Die Linke (die sich auf den demokratischen Sozialismus beruft), aus den elektronischen Gleichungen der Webmaster und einem Quäntchen Grün. Im Sinne eines web-demokratischen Ideals, steht eine Patentschrift zur Adhokratie zur Verfügung, um die Zugangsmodalitäten zum Forum zu verstehen. Die Devise lautet: nehmt die „feed back attitude“ an, in Bezug auf die Produktion und die Konsultierung der Beiträge.
Digitale Demokratie Vs repräsentative Demokratie
Im Oktober 2011 erhielt die Piratenpartei Deutschland 8,9 % der Stimmen bei den Landtagswahlen in Berlin. Thumay Karbalai Assad, ein Repräsentant der Piratenpartei im Hessener Landtag in Wiesbaden, betont dass „die Bürger mehr Einfluss auf politische Entscheidungen haben müssen “. Ausgehend von dieser Idee, hat die PPD ein System der Kooptation und der Beratung angenommen, welches sich auf die liquid democracy stützt. Dieses Führungsmodell wird von den Theorien Henry Mintzbergs inspiriert. Jener Ingenieur, Spezialist für Unternehmensverwaltungs- und Strategiesysteme, hat Managementtechniken zur Verwendung gebracht, die auf „der direkten Überprüfung, gegenseitiger Anpassung und der Standardisierung der Arbeitsprozesse in einem Unternehmen“, basieren. Diese Techniken ergänzen innovative Prozesse von Organisationsformen. Jene Überlegungen lassen sich ebenso bei Alvin Toffler wieder finden, ein amerikanischer Soziologe und Futurist. Die liquid democracy nimmt Bezug zu den technischen Evolutionen unseres Alltags.
Ohne die Unschlüssigkeit bei den Führungskräften der Piratenpartei Deutschland verschleiern zu wollen, hat die politische Gruppe ein partizipatives Modell eingeführt. Das Büro sammelt via einer digitalen Plattform die Vorschläge der „netizens“, Zusammenziehung der Wörter Internet und citizens. Insgesamt appellieren die Piraten an relativ agile Personen, um ihr Pad zu führen, an recht reaktive Leute, um Tweets zu posten und an Kreative, um die Seite mit Vorschlägen aller Art zu füllen. Mit dieser Intervention in den Prozess der Entscheidungstreffung fächert sich die Macht von einigen über das allgemeine Wahlrecht gewählten Abgeordneten zwischen allen „Cyber-Bürgern“ auf. Mit einer größeren Flexibilität, einer quasi nicht vorhandenen Hierarchie und Rollen, die von ihrer Funktion definiert werden, heben sich Individualitäten ab, Aktivistengruppen intervenieren, um Positionen einzunehmen. Aber wie funktioniert dies technisch gesehen?
Die Akteure dieses open networks können ihre Anregungen an die Hauptstelle adressieren. Die online Feedbacks halten die Empfehlungen der engagierten Bürger warm. Das kollektive Bewusstsein wacht grundsätzlich über Veruntreuungen und Formen der Realpolitik. Im Falle dass keine Idee die Aufzeichnungsstelle erreicht, Resultat einer Funktionsstörung der neuro-politischen Fasern der aktiven Mitglieder, ist es nun wünschenswert, diese Aufgabe an sensibilisiertere und besser informierte Personen zu delegieren, um nicht zu sagen an Mitglieder oder Sympathisanten gegnerischer Parteien. Gemäß den zu lösenden Problematiken, ist die Abstimmung der direkteste Weg, um seine Sichtweise auszudrücken und eine Entscheidung zu fällen. Die „netizens“ benutzen demnach unisono die Taste „Ctrl“ oder delegieren ihre Stimme. Sie schicken Signale an die Mitglieder der Dienststelle, die ihrerseits die Tweets synchronisieren, um grundsätzlich die Diskurse der Repräsentanten zu konstruieren. Das Ganze basiert auf dem Willen, eine Lösung gemäß der Anregungen der Mitglieder zu finden.
Piraten Vs Korsaren
Hinsichtlich der Adhokratie und der liquid democracy, bleibt die deutsche Bundesregierung nichts schuldig. Seit September 2010, möchte sie ihrerseits die Bürger in ihrer politischen Rolle rehabilitieren. Die Webmaster haben sich daher ein Projekt für eine digitale Plattform ausgedacht, um mehr Aufmerksamkeit der eingeloggten Bürger zu erlangen. Nunmehr plant die Regierung die Entwicklung dieses öffentlichen digitalen Ortes, der für die größtmögliche Anzahl Leute zugänglich ist, um gemeinsam zu re(a)gieren. Laut dem Untersuchungsausschuss für neue Informations- Kommunikations- und Medientechniken, entwickelt die Regierung im Hinblick auf die nächsten Parlamentswahlen 2013 ein digitales Forum, um Reflexionen oder Vorschläge ins Netz zu stellen, die der Konsultierung von Mitgliedern des Ministerkabinetts unterliegen.
Die Piraten haben Nacheiferer gefunden…auf die Gefahr hin zu simplen progressiven Korsaren zu werden. Seit ihrem Emporkommen, neigt die Piratenpartei tatsächlich dazu ihrem Ursprungskampf gegen das Copyright einen Dämpfer aufzusetzen. Gemäß einem Artikel, der in der Wochenzeitung „Die Zeit“[2] erschien, favorisiert die Partei im Kontext der Krise die Debatte über eine kulturelle Demokratisierung, eine Reform der Sozialhilfe, die Einführung des Mindestlohns und die Laizität. Was die Interessengebiete im Berliner Landtag angeht, näherte sich die Piratenpartei im September 2010 in einigen Punkten der Partei Die Linke an, mit beispielsweise der Anprangerung überfüllter Schulklassen oder das Vorhaben unentgeltliche öffentliche Verkehrsmittel einzuführen.
In Deutschland zieht die Partei mehr und mehr die „Freibeuter“ des Modems an, mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren. Die Dienststelle zählte etwa 8000 neue Mitglieder im Jahr 2011. Auf der Suche nach einer großen Wählerschaft, könnte die Piratenpartei sogar einen Teil der Grünen-Wähler entführen. Dort, wo die Piraten vorbeischauen, wächst das Wähler-Gras sehr schnell und das obwohl die deutsche Regierung versucht ihre ideologische Festplatte zu defragmentieren.
Also wer sind nun die authentischen Helden der Datenautobahn? Es sind die Hacktivisten, wahrhaftig, wie der Schwede Christopher Kullenberg, Autor des cyberpolitischen Manifests. Der Mitbegründer von Telecomix[3] , rebellierte im April 2009 gegen die europäische Direktive zur Telekommunikation, infolge des Rechtsstreites über die Download-Seite The Pirate Bay, wie es die schwedische Wochenzeitung Fokus[4] berichtete. In einem Aufschwung der Adhokratie mobilisierte das Kollektiv Telecomix aktiv seine Hacker und andere Aktivisten aus ganz Europa, um Druck auf die europäischen Abgeordneten auszuüben und die User vor freiheitsbedrohenden Maßnahmen zu schützen. Und wenn am Ende die wahre Piratenpartei sie wären?
[1] Wheel: beschreibt das Manifest der Piratenpartei, gegründet 2005
[2] Die Zeit, Piraten, die neuen Grün-Liberalen, Michael Schlieben, 09/09/2011
[3] Telecomix : eine Lobby aus gesetzmäßigen Hackern, die direkten Druck auf Mitglieder der europäischen Institutionen ausüben, gegen die Gesetze zum Copyright, gegen die Direktive zu den Downloads und für die Freiheit des Internets.
[4] Artikel von Claes Lönegard (Fokus). Die Wochenzeitschrift Fokus hat Christopher Kullenberg zum « Schweden des Jahres 2011 » gekürt.