Faust und der Klang der Stille
„Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel. Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen.“ Faust ist der Wissendste unter den Weisen. Aber er hat jeden Glauben in das menschliche Wissen verloren. Er glaubt „den Menschen nichts mehr beibringen zu können, um sie zu verbessern oder sie umzustimmen.“ Er ist eine Figur auf der Höhe der griechischen Tragödie. Der Pakt, den er mit Mephisto schließt, verändert und besiegelt definitiv sein Schicksal. Mit Goethe wurde Fausts Geschichte gepriesen. Sie manifestiert den Anfang der Romantik. Aber diese Erzählung lässt sich auf alle Epochen anwenden. Zuvor war Faust die Figur okkulter Magien. Die DDR interpretierte das Thema mit einem neuen Menschen, und auch heute noch bekommt seine Re-Lektüre einen speziellen Beigeschmack im Lichte von politischen und finanziellen Irrfahrten. Murnaus Werk aus dem Jahre 1926 versteht sich darauf all seine Größe zu bewahren. Es vereint alle Bereiche der Lektüre und spielt mit einer magischen Allegorie. Mit ihrer expressiven Kraft; begleitet das Trio OHR dieses Meisterwerk im Stil des Impro-Jazz.
Das Werk von Faust lässt die Ohren des Publikums vibrieren
Stummfilmen einen neuen Atem verleihen, das ist die Intention von OHR; das Free Jazz Trio aus Saarbrücken ist am Freitag, 11. November im Katorza zu Gast. Im Rahmen eines Kino-Konzerts, spielt die Gruppe ihre Version von Faust, ein Meisterstück des deutschen Expressionismus von Murnau, im Jahre 1926 auf die Leinwand gebracht. „Ich glaube dies ist der schwerste Film, den wir vertont haben,“ gesteht Henk, der Saxofonist des Trios. Tatsächlich sind die Bilder sehr stark, „man muss ihnen einen großen Platz in unserer Musik einräumen, sich zügeln, was uns auch sehr inspiriert.“ Der Bildschirm ist ihre Partitur. In der Dunkelheit des Saals, haben sie die schwarz-weiße Atmosphäre des Mythos Faust transkribiert. „Wir improvisieren viel beim Anblick eines Bildes, um am nächsten an der Essenz des Filmes zu bleiben,“ erklärt Oliver, Percussionist. Dank einer minimalistischen und luftigen Komposition, ist es der Gruppe gestern Abend gelungen, den verschlüsselten Geist von Faust zu übersetzen; vom Publikum wurde dies sehr geschätzt. „Mir hat besonders gefallen, dass die Instrumente als Geräuschkulisse eingesetzt wurden,“ erzählt Owen, ein Zuschauer. Angesichts der Techniken der Epoche, war das Publikum oft überrascht, sogar amüsiert. Die besorgten Blicke der Schauspieler brachten den Saal mehrmals zum Lachen, dennoch erschauerte er unter dem Klang des Tympanons. Faust erinnert den Zuschauer daran, dass trotz der fortgeschrittenen Technik der siebten Kunst, der Stummfilm auch heute noch eine Art goldenes Zeitalter des Kinos heraufbeschwört.