UKRAINE | Das Todesspiel Der Widerstand über den Fußball

07/01/10 | Verena Schneider

September 1939: Europa hält den Atem an, die Nazis fallen in Polen ein, der Zweite Weltkrieg beginnt. Sommer 1941: Deutschland leitet das "Unternehmen Barbarossa" ein, um in die Sowjetunion einzumarschieren, und erobert im Sempteber die ukrainische Hauptstadt Kiew. Die Ukraine hat gekämpft, aber die Ukraine ist besiegt.

Vor Ort langweilen sich die Soldaten der deutschen Wehrmacht, und vergnügen sich mehr schlecht als recht als Fußballspieler in einer zu dieser Gelegenheit organisierten Pseudo-Nationalmeisterschaft. Ein Geschäftsmann aus Kiew versammelte ukrainischen Spieler um seine Lieblingsmannschaft wiederaufzustellen. Der Mannschaft gelingt es, sich zu dieser « Nazi »-Meisterschaft anzumelden. Da Dynamo Kiew geschlossen und verboten worden war, wählt das Team einen anderen Namen für seine Mannschaft : FC START.
Am 7. Juni 1942 gewinnt der FC START gegen die Eindringlinge 7 : 2. Im August 1942 erreicht die Mannschaft eine Serie von sieben Siegen in Folge. Ohne mit Waffen zu kämpfen, wehren sich die Ukrainer - durch des Sport. Dieses Phänomen entmutigt die Truppen, die in diesem Erfolg eine Provokation gegen das Hitlerregime sehen. Tatsächlich ist es viel mehr als eine Provokation, es ist eine bürgerliche Tat, ein Akt des Widerstandes, weil die Mehrheit der ukrainischen Spieler ein Jahr zuvor ihre Stadt verteidigt haben.

Die Umkommen

Von da an interessiert sich die Gestapo für den Fall dieses Clubs, der das deutsche Ungeheuer herausfordert, und beschließt, das folgende Spiel zu fälschen, indem sie bei dem Gefecht einen Schiedsrichter der SS aufstellt. Am 9. August trifft der FC Start auf eine Mannschaft der Luftwaffe - beauftragt, die Ukrainer zu besiegen, um dem Reich seinen Stolz wiederzugeben. Vor dem Spiel im grossen Zenit-Stadion betritt ein SS-Offizier den Umkleideraum und sagt : «Ich bin der Schiedsrichter, respektieren Sie die Regeln und grüßen Sie mit gehobenem Arm»... und die Ukrainer weigern sich, den Hitlergruß zu erwidern.

Obwohl die Deutschen das erste Tor schießen, führt der FC Start zur Halbzeit 2 : 1. Während der 15-minütigen Pause betreten die Nazis bewaffnet den Umkleideraum der Ukrainer und drohen der ganzen Mannschaft mit dem Tod, sollte es zu einer Niederlage der Deutschen kommen.  Während der FC Start kurz vor Abpfiff 5 : 3 führt, täuscht der Verteidiger Klimenko den deutschen Aufseher und befindet sich, bereit zum Schuss, vor dem leeren Tor; aber er zieht es vor, ihm den Rücken zu kehren und schießt in die Richtung des Mittelkreises, wie eine letzte Provokation...

Kurz nach diesem letzten Erfolg raffen die Nazi-Autoritäten die ukrainische Gruppe an sich. Ein erster Spieler stirbt qualvoll. Drei andere, darunter der Verteidiger Klimenko, werden 1943 in Babij Jar, übersetzt « Weiberschlucht », hingerichtet; in der Nähe von Kiew, wo etwa 100 000 Zivilisten während des Zweiten Weltkrieges massakriert wurden. Von den elf Ukrainern gelingt es drei Spielern, sich bis zur Befreiung von Kiew durch die Rote Armee im November 1943 versteckt zu halten.
Es ist unbekannt, was mit den anderen Spielern der Mannschaft geschehen ist.

Rédacteur :
Verena Schneider, Bonen Allemagne
Traducteur :
David Thomas, Nantes France